Was versteht man unter Verwirklichung?
Raphael: Was wir tun können, ist zu versuchen, die falsche Vorstellung (avidya) zu beseitigen, dass wir das Ich mit seinen vergänglichen und konfliktgeladenen Eigenschaften sind.
Antonio: Aber wie kann das Ich, das ein Unvollkommenes ist, die Vollkommenheit erkennen oder die Vollkommenheit sein?
Raphael: Das Ich mit seinen Ausdrucksformen ist nicht die Wirklichkeit, sondern nur ein Widerschein aus Licht und Schatten: maya. Für die Nichtwirklichkeit ist es daher unmöglich, die Wirklichkeit zu erkennen oder sie zu sein. Genausowenig kann sich der nachts Träumende als Wirklichkeit erfahren, da er keine absolute Wirklichkeit ist, sondern nur ein Trugbild, eine Projektion.
Wir können sagen, dass sich die Wirklichkeit in dem Augenblick, in dem das Ich stirbt oder verschwindet, von selbst enthüllt – so wie sich die Erkenntnis von selbst enthüllt, wenn die Unwissenheit transzendiert ist. Die maya ist die Feststellung einer Tatsache, die sich nicht erklären lässt; sie erscheint und verschwindet.
© Asram Vidya Februar 2025
siehe Raphael, Tat Tvam Asi - Das bist du
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