Brahman saguna
Raphael: Wir erleben heute eine der unbestimmten, mit Eigenschaften versehenen Ausdrucksformen des Samen-Prinzips von Isvara. Es wird ein Moment kommen, in dem dieser Ausdruck universalen Lebens aufgrund des zyklischen Gesetzes, welches das Prinzip regiert, sozusagen in den pralaya, den Schlaf oder die Nacht von Isvara oder Brahman, eingehen wird, um dann zu einem neuen Tagesanbruch wieder zu erscheinen.
Antonio: Wenn wir dem Samen-Prinzip angehören, sind wir notwendigerweise alle unsterblich.
Raphael: Das ist richtig. Die Mehrheit ist sich dessen allerdings nicht bewusst, weil sie sich als einen formalen Aspekt erachtet, und sie ist sogar, während sie zum Sklaven ihrer eigenen Projektionen und Leidenschaften wird, dazu gezwungen, einer ganz speziellen Linie des Lebensausdrucks zu folgen.
Das kann auch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachtet werden: Der saguna-Verwirklichte hat die Freiheit, sich auf bewusste Weise im unbestimmten Lebensausdruck des Samen-Prinzips zu bewegen, während der Nichtverwirklichte diese Freiheit nicht hat bzw. seine Freiheit auf ein Minimum beschränkt ist. Daher kommt das Verlangen der Menschen nach Freiheit und psychophysischer Unabhängigkeit. Diese Freiheit kann jedoch nicht gefunden werden, solange die eigenen Begrenzungen und gefangennehmenden Ursachen nicht transzendiert worden sind. Die Freiheit kann nur von innen kommen, nicht von außen.
Die wahre Freiheit offenbart sich erst dann, wenn man von den eigenen Unvollkommenheiten, Dualismen und Identifikationen mit den verschiedenen Objekten befreit ist. Konflikt und Leid lösen sich auf, wenn man in sich geht, um sich wiederzuerkennen und das zu sein, was man wirklich ist.
© Asram Vidya Februar 2026
siehe Raphael, Tat Tvam Asi - Das bist du
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