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Raphael
Orphik und Initiationsüberlieferung

Pomaska-Brand-Verlag, Schalksmühle 2015
ISBN 978-3-943304-28-2
126 Seiten, Leinen/Schutzumschlag, Lesebändchen, € 22

Abbildung auf dem Umschlag: Orpheus von Miletus,
Detail eines Mosaikfußbodens aus einem römischen Haus, Ende 2. Jh. n. Chr.
Foto: Johannes Laurentius/SMB Antikensammlung

Titel zu beziehen bei
Pomaska-Brand Verlag
oder über
Philosophia perennis e.V.

»Denn nur bis zum Wege,
bis zum Aufbruch reicht die Belehrung,
die Schau muss dann selbst vollbringen,
wer etwas zu sehen gewillt ist.«
(Plotin)

Die Orphik entstand, als die vorherrschende »homerische Religion« in der griechischen Antike ihre Funktion verlor. Die Figur des Orpheus steht somit in einem Kontext der Transformation und Erneuerung des Bewusstseins. Seit der Orphik spricht man von etwas Göttlichem im Menschen, von der »Göttlichkeit« der Seele und ihrem »Fall« (siehe dazu das Kapitel »Der "Fall" der Seele« in Advaita Vedanta - Der Weg der Nicht-Dualität«); aber vor allem verankert sich in Europa die metaphysische Anschauung des höchsten Seins.

Raphael präsentiert die Orphik gemäß der Überlieferung und hebt dabei den metaphysisch-initiatischen Aspekt hervor, der in den beiden Orphik-Mythen gegenwärtig ist: Tod und »Abstieg in die Unterwelt«. Der Mythos ist keine Phantasterei, sondern ein Symbol, das als kathartisches Element eine echte Erfahrung erzeugen kann.

Was kann die Orphik dem heutigen Menschen anbieten – eine Philosophie, die auf den ersten Blick weit zurückliegend erscheint, aber in Wirklichkeit die Basis des gesamten spekulativen Denkens des Westens ist?

Orpheus erneuerte den degradierten und zu einem Aberglauben reduzierten Dionysoskult, er enthüllte Wahrheiten einer geistigen Ordnung, verfasste mit der Musik eine Wissenschaft des Ritus und der Zahl und gründete die Kleinen und Großen Mysterien.

Die orphische Überlieferung ist laut Raphael die erste wahrhaft metaphysische Anschauung im Westen und kann sogar als nicht-dual (advaita) gelten, weil sie nur das Sein als absolut wirklich erachtet – mit Dionysos als einer universalen Darstellung.

Ohne Orpheus hätte Parmenides nicht das höchste Sein, Plotin nicht das absolute Eine und Platon nicht die Welt der Ideen und das Eine-Gute konzipieren können.

Die vom göttlichen Orpheus eingerichteten Mysterien repräsentieren verschiedene Seinszustände, und der Neophyt sollte die richtige Bewusstseinsposition einnehmen, anstatt den Versuch zu unternehmen, Unbeweisbares empirisch zu beweisen ... Es gibt Dinge, die keine Phänomene sind und daher nicht Gegenstand wissenschaftlicher oder empirisch-begrifflicher Beweisführung, sondern nur bewusstheitlicher Verwirklichung sein können.

Der aufmerksame Leser, Liebhaber der sophia, der die kathartische Funktion und Aktualität der orphischen Botschaft versteht und sich dieser Schrift mit vorurteilsfreiem Verstand anzunähern weiß, wird jene Wohltaten empfangen, welche die initiatische Überlieferung aller Zeiten als unerschöpfliche Quelle zu spenden vermag.

Inhalt:
Vorwort – Einführung – Homer, Hesiod, Orpheus – Innovationen der Orphik – Die Seelenwanderung – Das letzte Ziel der Seele – Theogonie – Die universale Harmonie-Ordnung – Die orphische Askese – Neue Aspekte der orphischen Mysterien – Glossar.

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